Sashiko

Sashiko – traditionelle japanische Stickerei

 

Was ist Sashiko?

Sashiko (japanisch 刺し子) ist eine Sticktechnik, die sich in Japan während der Edo-Ära (etwa 17. Jh.) entwickelte. Der ursprüngliche Nutzen dieser Technik war Textilien zu verdichten, zu verstärken, zu flicken und zu reparieren, um die Lebensdauer und Nützlichkeit der Textilien zu erhöhen. In einer Zeit, in der Stoffe von Hand gesponnen, gewebt und gefärbt wurden, war dies besonders wichtig. Somit ist es vor allem eine funktionelle Stickerei. Darüber hinaus wurde Sashiko später auch zum Verzieren von Stoffen eingesetzt.

 

Sashiko ist eine einfache Sticktechnik, die den Vorstich verwendet. Es wird dabei grundsätzlich ohne einen Stickrahmen gearbeitet. Sashiko bedeutet wörtlich übersetzt „Stäbchen“. Die Form der einzelnen Stiche erinnert an kleine Stäbchen.

 

Beim Sticken wird nicht die Nadel durch den Stoff bewegt, sondern der Stoff gleitet über die Nadel. Mit der einen Hand wird also die Nadel gehalten und ein leichter Gegendruck ausgeübt, während mit der anderen Hand der Stoff zur Nadel hin bewegt wird. Dabei werden so viele Stiche wie möglich auf die Nadel gelegt, bevor die Nadel ganz durch den Stoff gezogen wird. Dabei wird immer der kürzeste Weg der Nadel durch das Muster gewählt. Dieser einfache und sehr effiziente Stich wird genutzt, um mehrere Lagen Stoff mit großflächigen, ineinandergreifenden Mustern zusammenzunähen.

Es ist für uns heute kaum vorstellbar, dass es mal eine Zeit gab, als Stoffe ein wertvolles Gut waren. Dass es nicht möglich war, mal eben ein neues Kleidungsstück oder ein paar Meter Stoff zu kaufen.

 

Die Menschen verwendeten das, was sie hatten, so lange wie möglich. Aus Kleidungsstücken wurde Arbeitskleidung. Daraus später Taschen und Schürzen und schließlich Putzlappen. Sie reparierten und verstärkten die Stoffe immer wieder. Alles mit Sashiko. Besonders im Norden Japans mit seinen sehr kalten Wintern wurde Sashiko dafür genutzt, mehrere Lagen Stoff miteinander zu verbinden, um die Wärmeeigenschaften der Kleidung zu verbessern. Gleichzeitig ist es auch eine Technik, um die Stoffe von vornherein robuster und haltbarer zu machen.

 

Für die armen Menschen in Japan war es natürlich eine Scham, sich in ihrer kaputten und mehrfach geflickten Kleidung zeigen zu müssen. Gleichzeitig waren sie auch stolz auf ihr Können ihre Textilien, die sie besaßen mit so kunstvollen Mustern verzieren zu können. Der Mensch strebt eben immer auch nach Schönheit. So entstanden aus der Not des Reparierens der Stoffe  so zahlreiche Muster.

 

Traditionell werden mit  Sashiko oft auch Teesets, Handtücher, Servietten und Taschentücher bestickt. Dafür werden oft bedeutungsvolle Motive und Muster verwendet. 

Was ist Boro?

Boro bedeutet übersetzt zerlumpt, zerfetzt und bezeichnet mehrfach geflickte Kleidung und Textilien. Die dafür häufig angewandte Technik ist Sashiko. Heute sind solche antiken Boro-Textilien immer noch zu sehen. Über die Jahre sind viele dieser Stücke verloren gegangen. Durch Naturkatastrophen und weil sie innerhalb der Familien nicht weitergegeben wurden. Sie wurden eben nicht geschätzt oder als schön angesehen. Vielmehr waren sie beschämende Erinnerungen an schlechte Zeiten. Aus unserer heutigen Sicht wirken diese Stücke überaus dekorativ, doch damals wollten sie aus Schamgefühl lieber versteckt werden. Es sind wertvolle Beispiele für karge Zeiten, für Sparsamkeit und gleichzeitig für Einfallsreichtum.

Welche Farben werden beim Sashiko sticken traditionell verwendet?

Traditionell sind die Farben der Sashiko-Stickerei auf Blau und Weiß beschränkt. Entweder wird mit weißem Garn auf blauem Stoff gestickt oder umgekehrt. Diese Reduzierung der Farben hat viel mit der japanischen Kultur und Ästhetik zu tun. Durch das Reduzieren und Weglassen wird der Fokus auf das Wesentliche gelenkt. Es gibt trotzdem Sashiko-Garne in vielen weiteren Farben.

 

Welche Materialien sind zum Sticken gut geeignet?

Für die Sashiko-Stickerei sind vor allem unelastische, gewebte Stoffe aus Baumwolle, Leinen, Hanf und Seide geeignet. Das Garn selber ist aus Baumwolle und ist in zwei unterschiedlichen Stärken erhältlich. Das dünnere Garn ist aus vier Fäden miteinander verzwirnt, das dickere aus sechs Fäden. Für feinere Stoffe empfiehlt sich die Verwendung des dünneren Garns. Überwiegend wird mit dem dickeren Garn gearbeitet. Die Dicke des Garns beeinflusst natürlich auch den visuellen Eindruck des Musters.

 

Und es gibt spezielle Sashiko Nadeln zum Sticken. Diese sind länger als die üblichen Näh- und Sticknadeln. Ein Fingerhut oder ein breiter Fingerring, der am mittleren Finger getragen wird schützt die Hand beim Schieben der Nadel durch die Stofflagen.

Shippo-Muster auf Leinenkrepp

Die Muster

Die Muster haben nicht nur eine ästhetische Funktion, sondern auch eine lange Tradition und eine bestimmte Bedeutung. Die Bedeutung kommt oft aus dem Shintoismus, der traditionellen Religion in Japan.

 

Moyõzashi

Moyõzashi Muster haben sowohl gerade als auch runde Linien, die in unterschiedliche Richtungen verlaufen, um großflächige Muster zu erzeugen. Dabei kreuzen sich die Stiche jedoch nicht.

 

Hitomezashi

Hitomezashi Muster bestehen lediglich aus waagerechten und senkrechten Stichen. Die einzelnen Stiche, die sich treffen oder kreuzen, folgen einem Raster und ergeben dadurch ein Muster.

Beispiel für ein Moyõzashi-Muster
Beispiel für ein Hitomezashi-Muster