Selvedge Denim

Denim ist nicht gleich Denim. Für den Laien macht es keinen Unterschied, ob eine Jeans diese spezielle Webkante hat oder nicht. Für den Kenner ist Selvedge Denim Handwerkskunst vom Feinsten. Selvedge Denim hat sich als Indikator für gute Qualität durchgesetzt.

 

„Selvedge“ ist die Bezeichnung für einen Denim, der aufwändiger zu produzieren und von höherer Qualität ist. Häufig ist er nicht vorgewaschen, so wie sonst üblich bei Jeans.

 

Genau genommen müsste der Fachbegriff „self-edge“ ausgesprochen werden, was wortwörtlich übersetzt „selbst“ (self) und „Rand“ oder „Kante“ (edge) bedeutet. Das bezieht sich auf die Art der Herstellung auf einem sogenannten Schützen- beziehungsweise Schiffchen-Webstuhl (shuttle loom), bei der die Kanten der Stoffbahn sauber abgeschlossen sind. Das hat den Vorteil, dass die Kanten nicht ausfransen und sich auflösen. 

 

Diese abgeschlossene Webkante kann dadurch in den Schnitt der Jeans mit einbezogen werden und ist an der fertigen Jeans an der äußeren Beinnaht zu sehen, wenn die Jeans aufgekrempelt wird. Die Webkante im Denim ist üblicherweise Weiß und hat oft ein farbiges Garn in der Mitte. Ist dieser Faden Rot, spricht man von einem „Redline“ Selvedge.

Redline Selvedge Denim ist Denim, bei dem die selbstveredelten Kanten rotes Garn zwischen den weißen Kantengarnen haben. Das farbige Garn wurde ursprünglich hinzugefügt, um Herstellern zu helfen, die unterschiedlichen Qualitäten zu erkennen, die sie für verschiedene Kunden produzieren.

Wie wird Selvedge Denim hergestellt?

Der Prozess des Webens ist der Moment, in dem Denim zu Denim wird. Und es ist auch der am meisten diskutierte Produktionsschritt. Dies liegt daran, dass die beiden Hauptmethoden des Denim-Webens so signifikante Auswirkungen auf das Aussehen, die Haptik und den Verschleiß des Stoffes haben.

Beim Weben gibt es zwei Arten von Garnen: die längslaufenden Kettfäden und die querlaufenden Schussfäden. Bei Denim ist die Kette normalerweise blau gefärbt, wodurch das unverwechselbare Köpermuster entsteht.

Es gibt zwei Wege Denim zu weben: mit oder ohne Schützen. Das Weben mit Schützen ist die ursprüngliche Art der Denimherstellung.

 

Der Schützen ist dazu da, den Schussfaden durch die Kettfäden zu führen. Da der Schussfaden dabei kontinuierlich hin- und hergeführt wird, sind die Kanten des Stoffes sauber abgeschlossen, weshalb sie auch „Selvedge“ (self-edge) genannt werden. Diese dicht gewebte und strapazierfähige Kante kann ohne zusätzliche Bearbeitung in das Kleidungsstück eingearbeitet werden.

 

Üblicherweise wird Selvedge Denim auch aus dickerem Garn gewebt – sowohl im Kett- als auch im Schussfaden. Somit ist Selvedge Denim tendenziell schwerer.

 

Das Hin- und Herschleudern des Schützen ist ein relativ zeitaufwändiger Vorgang und hat damit einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Produktionsgeschwindigkeit. Um also schneller (und kostengünstiger) weben zu können, verwenden Denim-Hersteller schützenlose Webmaschinen.

 

Schützenloses Weben wird am häufigsten mit einem Projektilwebstuhl durchgeführt. Anstelle eines Schützen trägt ein kleines Metallgerät, das wie eine Kugel aussieht (daher der Name), den Schuss über den Kettfaden. Dies wird als Schusseintrag bezeichnet und erzeugt an jeder Seite des Stoffes ausgefranste Kanten, die abgeschnitten werden müssen, bevor der Denim zu einer Jeans genäht werden kann.

Warum ist Selvedge Denim teurer?

Moderne Webstühle ohne Schützen weben im Schnitt viermal so schnell im Vergleich zu Schützenwebstühlen. Und da der Webrahmen verbreitert werden kann, ist die Produktionskapazität bis zu 10-mal höher.

 

Mit anderen Worten, es kann 10 Mal so viel Denim pro Stunde produziert werden, wenn dieser keine Webkante hat, und das wirkt sich natürlich auf den Preis aus.

 

Hinzu kommt, dass die Maschinen zum Teil über 100 Jahre alt und entsprechend wartungsintensiv sind. Es braucht also auch erfahrene Handwerker, die sich sehr gut mit diesen Webstühlen auskennen.

Ist Selvedge Denim auch besser?

Wenn es allein um die Qualität und die Haltbarkeit des Denims geht ist Selvedge Denim in der Regel nicht besser als Denim ohne Selvedge.

 

Tatsache ist, dass der Denim, wenn er ungewaschen getragen und über mehrere Monate nicht gewaschen wird, an Widerstandsfähigkeit verliert. Das liegt an der im Material enthaltenen Stärke, die den Denim steifer macht und für die schönen Kontraste beim Verblassen sorgt. Werden die Stärke und der Schmutz in der Jeans nicht regelmäßig ausgewaschen neigt der Denim dazu, brüchig und spröde zu werden und reißt schneller.

 

Es hat also weniger mit der Art des Webens zu tun, sondern eher damit, wie die Jeans getragen und gewaschen wird. (Eine Anleitung zur Handwäsche findest Du hier.)

 

Die, die daran interessiert sind, wie die Jeans ausbleicht, bevorzugen Selvedge Denim. Die langsamere Geschwindigkeit der Schützen-Webstühle belastet das Garn weniger. Und sie tolerieren mehr Noppen im Garn, die dem Denim Charakter verleihen. Selvedge Denim bleicht einfach „schöner“ aus. Außerdem ist Denim von Schützen-Webstühlen von Natur aus weicher.

 

Es ist also mehr ein ästhetischer Unterschied als ein Qualitätsunterschied. Entscheidend sind das Aussehen, die Haptik und das Gefühl beim Tragen der Jeans. 

 

Und wenn du jetzt neugierig geworden bist eine Selvedge Jeans auszuprobieren, kann ich dir den Laden Burg & Schild in Berlin Mitte empfehlen. Das Team kennt sich bestens aus und du findest eine gute Auswahl verschiedener Marken und Schnitte.