Indigo

Indigo ist der Farbstoff, der die Blue Jeans blau färbt. Sobald das Garn aus dem Färbebad kommt und oxidiert ist es zunächst erstmal Grün. Erst beim Trocknen wird es Blau. Für die Denimproduktion gibt es zwei Färbe-Methoden. Beide haben jeweils ihren Einfluss auf das Ergebnis – wie der Denim aussieht, sich anfühlt und ausbleicht.

Die Geschichte des Indigo

 

Natürliches Indigo

Indigo wurde anfänglich in Indien angebaut, wo es viele tausend Jahre einer der wichtigsten Wirtschaftszweige war. Das Wort Indigo stammt vom altgriechischen Wort ‚νδικόν‘ ‚indikón‘ beziehungsweise dem Lateinischen ‚indicum‘ und bedeutet „Substanz aus  Indien“. Es ist eines der ältesten natürlichen Färbemittel, das heute noch verwendet wird.

 

Ursprünglich wurde das Indigo-Pigment aus den getrockneten Blättern der Indigofera tinctoria Pflanze gewonnen, die zu Pulver verarbeitet wurden – auch bekannt als „echtes Indigo“. Heute ist die Bezeichnung „natürliches Indigo“ geläufiger. Das Indigopulver ist eines der farbechtesten pflanzlichen Farbstoffe. Das Pulver wird mit Wasser und Reduktionsmittel vermischt, die sogenannte Färbeküpe, worin dann das Garn getaucht wird.

 

Die Spur solcher natürlichen und biologisch abbaubarer Materialien und Färbemittel zurückzuverfolgen ist nicht ganz so einfach, aus dem Grund, dass sie sich nur unter perfekten klimatischen Bedingungen konservieren lassen. Den frühesten Nachweis über die Verwendung von Indigo konnten Archäologen bis zum 3. Jahrtausend v. Chr. zurückverfolgen – also vor 5.000 Jahren. Im Inneren der Pyramiden im trockenen Klima Ägyptens fanden Archäologen gut erhaltene, mit Indigo gefärbte Stoffstücke, in denen Mumien eingewickelt waren.

 

In früheren Jahrhunderten war Indigo ein Symbol für Reichtum und Wohlstand, denn nur die Wohlhabenden konnten sich den Farbstoff leisten. Durch den Import aus fernen Kolonien hatte es einen ähnlichen Status wie Kaffee, Tee oder Seide. Gleichzeitig ist es die Farbe der Arbeiter.

 

In Europa wurde Indigo aus Färberwaid gewonnen, eine der Indigofera ähnliche Pflanze mit ähnlichen Eigenschaften. Bereits 700 v. Chr. wurde mit Färberwaid gefärbt. Etwas mehr als 1.000 Jahre war dieses natürliche Färbemittel in Europa weit verbreitet. Mit wachsenden Importen aus Asien und Indien verdrängte allmählich der echte Indigo den Färberwaid. Händler und Züchter/Bauern hatten Angst um ihre Existenz und kämpften gegen die Verbreitung des importierten Indigofarbstoffes an. Dennoch wurde Indigo immer beliebter, da der echte Indigo besser an weniger saugfähigen Fasern wie zum Beispiel Baumwolle bindet.

 

Der Indigofarbstoff wurde von Plantagen von den europäischen Kolonien, besonders Westindien und Amerika importiert. Wie bei vielen Rohstoffen, deren Anbau arbeitsintensiv ist, waren Kultivierung und Handel des Indigofarbstoffs mehr oder weniger von Sklavenarbeit abhängig. Die allgemeine Unzufriedenheit über die Arbeitsbedingungen beim Indigoanbau wuchs und die Arbeiter begannen sich zu wehren. Als ob diese Situation für die Indigoproduktion nicht schon herausfordernd genug war, kam im späten 19. Jahrhundert das erste synthetisch hergestellte Indigo auf den Markt.

 

Synthetisches Indigo

1865 entdeckte der deutsche Chemiker Adolf von Baeyer die chemische Struktur des synthetischen Indigos. Es war der erste synthetische Farbstoff. Zusammen mit der deutschen Badische Anilin- & Soda-Fabrik (BASF) brauchte es weitere 17 Jahre Forschung und Entwicklung und mehr Geld als der gesamte Kapitalwert des Unternehmens, um die Synthese zu realisieren. Nach diesem langen und risikoreichen Weg kam 1897 das „Indigo Pure BASF“ auf den Markt. Trotz aller Widerstände durch Färber, die das natürliche Indigo bevorzugten, fand das synthetische Indigo reißenden Absatz und bis 1914 waren bereits 95 Prozent der natürlichen Indigoherstellung verschwunden. Heutzutage wird Denim fast ausschließlich mit dem kostengünstigeren und farbstabileren synthetischen Indigo gefärbt.

Denim färben mit Indigo

 

Indigo wird weltweit sehr geschätzt für seine besondere Ästhetik und ganz besonders für seine Art des Verblassens, welche ein breites Spektrum an mehr oder weniger hellen Blautönen erzeugt. Der Grund für diese Eigenschaft liegt im Färbeprozess. Der Indigofarbstoff ist ein Küpenfarbstoff. Der Farbstoff muss mit Hilfe eines Reduktionsmittels (meistens Natriumhydrosulfit) in Wasser gelöst werden. Durch Oxidation wird die Farbe fixiert. Das Garn wird in die Färbeküpe getaucht und der Sauerstoff der Luft bindet die Farbmoleküle an das Garn. Die Blaufärbung entsteht also erst nach dem Kontakt mit Sauerstoff. Der Indigo bildet dabei keine chemische Bindung mit den Fasern, sondern haftet nur äußerlich daran. Dies ist als Ringfärbung bekannt und verleiht Denim die Eigenschaft zu kontrastreichem Ausbleichen.

 

Mit der ursprünglichen Färbetechnik mit der Hand, bei der fermentiertes Indigo verwendet wird, wie zum Beispiel bei der traditionellen japanischen Aizome-Färbetechnik, ist es möglich ein tieferes Eindringen der Farbe zu erreichen. Dadurch bleicht der Stoff langsamer aus. Um einen ähnlichen Effekt und ein tieferes Blau beim heutigen mechanischen Färbeprozess zu erzielen, wird das Garn mehrere Male in das Färbebad getaucht. Doch auch nach mehreren Farbbädern haften die Farbmoleküle nur äußerlich an den Fasern des Garns. Dadurch trägt und wäscht sich die Farbe mit der Zeit langsam ab und der ursprüngliche weiße Farbton kommt wieder zum Vorschein. Letztendlich ist dieser Prozess aus Tragen und Waschen sehr individuell und sorgt so für ein einzigartiges Kleidungsstück.